Zu Beginn zeigten beide Mannschaften ansehnlichen Kombinationsfussball. Vor allem zwei, drei gelungene Kombinationen über R. Wehrli sorgten in der Anfangsphase für Gefahr. Danach neutralisierten sich die Teams weitgehend, sodass klare Torchancen Mangelware blieben. Auch die eher kleinliche Regelauslegung des Schiedsrichters trug ihren Teil dazu bei, dass zahlreiche Unterbrüche den Spielfluss immer wieder bremsten. Für den ersten grossen Aufreger sorgte N. Ackermann, der einen perfekt getretenen Eckball am zweiten Pfosten sehenswert ins Tor köpfelte. Der Jubel der Mümliswiler wurde jedoch jäh gestoppt, da der Schiedsrichter im Strafraum ein Foul gesehen haben wollte, gesehen hat es sonst allerdings niemand so richtig. Wenig später war es erneut N. Ackermann, der den gegnerischen Torhüter mit einem Freistoss aus grosser Distanz prüfte. Dieser konnte den Ball jedoch entschärfen. Die Oensinger kamen ihrerseits immer wieder mit schnellen Gegenstössen in die gegnerische Hälfte, doch I. Teutschmann musste sich nur einmal richtig auszeichnen, als er einen wuchtigen Abschluss stark über die Querlatte lenkte. So verabschiedeten sich beide Mannschaften mit einem leistungsgerechten 0:0 in die Pause, auch wenn der aberkannte Treffer der Mümliswiler einen leicht bitteren Beigeschmack hinterliess.
In der Halbzeit nahmen die Mümliswiler ein paar Anpassungen vor. Verantwortlich dafür war Assistenz-Coach Daniel Müller, der heute Marius Ackermann vertrat. Normalerweise steht er im Schatten des Haupttrainers und saugt bei Trainings sowie bei dessen taktischen „Geniestreichen“ fleissig Know-how auf. In der 48. Minute war es dann R. Wehrli, der nach einem abgefälschten Schuss am schnellsten reagierte, den Torhüter umkurvte und zur Führung für die Mümliswiler einschob. Das Spiel blieb in der Folge extrem intensiv – Zweikämpfe wurden im Sekundentakt geführt, teilweise mit mehr Körpereinsatz als Eleganz. Das schien den Mümliswilern, wie so oft gegen Oensingen, etwas den Schneid abzukaufen. Geordnete Spielzüge waren rar, stattdessen wurde vermehrt auf die bewährte Taktik „hoch und weit bringt Sicherheit“ zurückgegriffen. Oensingen zeigte sich derweil mit der etwas feineren Klinge und glich in der 54. Minute durch Kahraman nach einem schnellen Gegenangriff mit einem platzierten Flachschuss zum 1:1 aus. Nur kurz darauf schien das 2:1 für Oensingen bereits Tatsache: B. Brunner schob eine mustergültige Hereingabe aus fünf Metern scheinbar locker an Teutschmann vorbei. Viele drehten sich schon Richtung Anspielpunkt, so auch der Berichterstatter, der den anschliessenden Wundersave von I. Teutschmann leider verpasste. Dieser zeigte einmal mehr, dass er noch immer zu den besten Torhütern des Kantons gehört und dank seiner Lauftrainings inzwischen auch deutlich windschnittiger unterwegs ist als zu Aktivzeiten. Auf der Gegenseite war wieder R. Wehrli zur Stelle, doch auch sein Kopfball wurde vom gegnerischen Keeper mirakulös um den Pfosten gelenkt. In der 71. Minute wurde es dann kurios: Oensingen erhielt einen Freistoss aus grosser Distanz. Von einem Verteidiger hallte es über die Anlage: „Achtung, jetz chund e wäuz Wouche – ned drilänge!“ Gesagt, getan, zumindest fast. Der Oensinger trat den Ball im Stil von Roberto Carlos, und alle Mümliswiler hielten sich brav an die Anweisung… ausser demjenigen, der sie gegeben hatte. Dieser lenkte den Ball unhaltbar ins eigene Tor ab. Der anschliessende Jubel inklusive Gyökeres-Maske traf die Mümliswiler mitten ins Herz. Doch die Guldentaler gaben sich nicht geschlagen und warfen nochmals alles nach vorne. R. Wehrli wurde traumhaft lanciert, eigentlich musste er nur noch einschieben. Doch was dann folgte, erinnerte eher an einen Samstag um 03:00 Uhr an der Bar: Beine verknotet, Ball stehen geblieben, Gleichgewicht irgendwo auf Abwegen. Der eingewechselte J. Kamber brachte nochmals frischen Wind und zündete aus rund 20 Metern eine Rakete, die der gegnerische Torhüter spektakulär über die Latte lenkte. Und dann kam sie, die allerletzte Chance: Tief in der Nachspielzeit flankte M. Simic nochmals mustergültig zur Mitte. Mittelfeldmotor S. Büttler mobilisierte seine letzten Kräfte, schraubte sich gefühlt bis in den Oensinger Nachthimmel und wuchtete den Ball per Kopf zum 2:2-Ausgleich ins Netz. Bei den Mümliswilern brachen alle Dämme – die Schlussoffensive hatte sich in letzter Sekunde tatsächlich noch ausgezahlt.
Mit einem wichtigen Auswärtspunkt bleiben die Mümliswiler weiterhin weit oben in der Tabelle und mischen vorne kräftig mit. Bereits am Freitag, 08.05.2026, steht das nächste Spiel Zuhause gegen den Nachbarn aus Balsthal an. Dort ist ein Dreier praktisch Pflicht, wenn man im Rennen um die Spitzenplätze weiterhin ein gewichtiges Wörtchen mitreden will. Ein grosses Dankeschön geht an alle Zuschauer für die tolle Unterstützung und die hervorragende Kulisse an diesem Mittwochabend. Wir hoffen, auch Zuhause wieder möglichst viele bekannte Gesichter aus dem Guldental zu sehen.