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    FC Mümliswil

    Rücktritte: Interview mit Remo Bürgi

    | Martin Bürgi | Interview

    «Es war mein Traumjob»: Trainer Remo Bürgi verlässt den Zweitligisten FC Mümliswil nach fünf Jahren

    «Der Höhepunkt war der dritte Platz nach der Vorrunde der Saison 2019/20», blickt Remo Bürgi auf die Zeit beim Fanionteam seines Jugendvereins FC Mümliswil zurück. Jetzt wartet auf den 36-jährigen Trainer in der Berner 3. Liga eine neue Herausforderung.

    Remo 1

    Der Mümliswiler Remo Bürgi wohnte die letzten zweieinhalb Jahre in Olten, ehe er vor knapp zwei Monaten mit seiner Frau und den beiden Söhnen nach Münchenbuchsee umzog.

    2017 übernahm Remo Bürgi die erste Mannschaft des FC Mümliswil. Jetzt verlässt der 36-Jährige seinen Jugendklub. Die Gründe: ein Wohnortswechsel und eine neue Herausforderung als Trainer beim FC Schüpfen.

    Remo Bürgi, Sie waren nach Dominik Ellenberger vom FC Subingen der dienstälteste Trainer der 2. Liga. Wie lange sind Ihnen die fünf Jahre vorgekommen?

    Remo Bürgi: Die Zeit ging sehr schnell vorbei. Wenn ich an den Moment zurückdenke, als ich der Mannschaft als neuer Trainer vorgestellt wurde, fühlt es sich nicht so an, als wäre das vor fast fünfeinhalb Jahren passiert. Auch nicht gerade wie gestern, aber vielleicht wie vorgestern.

    Wie kam es damals dazu?

    Ich stieg die Trainerleiter ganz klassisch nach oben beim FC Mümliswil. Mit 17 startete ich bei den F-Junioren, weil ich merkte, dass ich selber als Fussballer zu wenig Talent hatte, mir dafür das Trainersein im Blut liegt. Dann war ich lange Zeit bei den C-Junioren und der Gruppierung Thal United tätig, 2015 übernahm ich den Posten beim «Zwöi» und 2017 schliesslich das Traineramt bei der ersten Mannschaft.

    Wie haben Sie den Schritt von den Junioren zu den Aktiven erlebt?

    Den musste ich mir damals gut überlegen. Einerseits gefiel es mir, mit den Junioren zu arbeiten. Und andererseits waren die Spieler in der zweiten Mannschaft teilweise älter als ich und ich war mir deshalb nicht sicher, ob das funktioniert. Der Wechsel ist mir nicht leichtgefallen, aber ich habe ihn nie bereut. Denn letztlich war es gut, etwas Neues zu probieren.

    Gab es Sachen, die Sie vermisst haben bei den Aktiven?

    Die Junioren haben eine grosse Leidenschaft für den Fussball. Für die meisten ist es ganz klar das Hobby Nummer eins. Sie sind angefressen und wollen so oft wie möglich «tschutten». Sie beklagten sich sogar, wenn über die Festtage im Dezember mal kein Training war. Für den Trainer ist es schön zu spüren, dass jeder Spieler will, voll mitzieht und nie genug bekommen kann. Und man sieht bei den Junioren auch die Fortschritte, die sie in kurzer Zeit machen.

    Remo 2

    Der FC Mümliswil beendete die Saison 2021/22 mit sieben Siegen, sechs Unentschieden und neun Niederlagen auf dem achten Platz.

    Oliver Menge

    Wie verhält es sich denn bei den Aktiven?

    Einem 25-Jährigen muss man nicht mehr sagen, was er zu tun hat auf dem Platz und wo er stehen muss. Da gilt es, die richtigen Leitplanken zu setzen. Der Fussball hat bei den Aktiven teilweise einen geringeren Stellenwert. Was logisch ist, denn bei vielen ändert sich mit 25 bis 30 das Standing im Beruf. Sie bilden sich weiter, übernehmen mehr Verantwortung. Und dazu kommt auch noch die familiäre Entwicklung. Dies alles führt dazu, dass der Fussball zwar immer noch wichtig ist, aber nicht mehr die absolute Priorität.

    Bereits mit knapp 30 Jahren übernahmen Sie die erste Mannschaft in der 2. Liga.

    Ich war davor 10, 15 Jahre lang ein grosser Fan der ersten Mannschaft. Ich erlebte mit, wie sich der FC Mümliswil von einem Viertliga- zu einem Drittliga-Klub mauserte und dann lange versuchte, in die 2. Liga aufzusteigen, bis es 2013 endlich klappte. Deshalb war das eigentlich mein Traumjob. Es wäre aber das Worst-Case-Szenario gewesen für mich, wenn ich der Trainer gewesen wäre, der den Ligaerhalt nicht geschafft hätte. Ich habe mich selbst immer sehr unter Druck gesetzt, gleichzeitig war es aber auch ein Antrieb, dass etwas auf dem Spiel stand.

    Haben Sie vom Vorstand, den Spielern und vom Umfeld immer den nötigen Respekt bekommen?

    Ja, ich habe immer das Vertrauen vom Verein und der sportlichen Führung gespürt. Man hat mir stets aktiv signalisiert, dass man hinter mir steht. Und das spürte ich auch beim Team. In Mümliswil gibt es leidenschaftliche Zuschauer und die erwarten zu Recht, dass wir Vollgas geben auf dem Platz. Natürlich kam auch mal Kritik auf, wenn es nicht lief. Es gab aber deutlich mehr Komplimente für die Leistung der Mannschaft und unsere Arbeit. Und das gab mir immer wieder die nötige Energie.

    4., 6., 3., 10. und 8. – dies die Schlussklassierungen in den fünf Saisons. Haben Sie alles aus dem Team herausgeholt?

    In den ersten drei Jahren auf jeden Fall. Der Höhepunkt war der dritte Platz nach der Vorrunde 2019/20. Wir traten mit einer grossen Stilsicherheit auf, waren defensiv sehr stabil und konnten auch im Angriff unser Potenzial ausschöpfen. In dieser Saison haben wir alles herausgeholt, was möglich war.

    Und die letzten zwei Saisons?

    Der zehnte Platz im Vorjahr war unbefriedigend und auch Platz acht in dieser Saison ist letztlich sicher nicht das, was wir uns vorgenommen haben. Wir wollten mindestens in die Top 5. Im hinteren Mittelfeld herumzudümpeln, war nicht unser Anspruch. Doch der Rückstand nach vorne war leider bereits nach der Vorrunde zu gross.

    Welches waren die Gründe, dass der FC Mümliswil den dritten Platz von 2020 nie bestätigen konnte?

    Wir hatten in den letzten beiden Saisons viele Verletzte. Das ist ein Grund, weshalb wir unser Ziel nicht erreicht haben. Und was uns in meinen fünf Jahren immer gefehlt hat, ist einer, der vorne die Tore macht. Dass wir nie einen Goalgetter hatten, der in der Saison mehr als zehn Tore schiesst, war unser grosses Manko. So einen kannst du nicht einfach züchten. Wir mussten daher immer einen riesigen Aufwand betreiben und uns jedes Tor hart erarbeiten.

    Remo 3

    Der FC Mümliswil war heuer mit 41 Strafpunkten die fairste Mannschaft in der 2. Liga.

    Das ist mir sehr wichtig, denn der Fussball soll vom Fairplay leben. Es freut mich, wenn mein Team keine unnötigen Karten, zum Beispiel wegen Reklamierens, holt. Aber natürlich hätten wir Ende Saison lieber ein paar Punkte mehr auf dem Konto gehabt und dafür halt auch ein paar Strafpunkte mehr.

    In welchem Zustand übergeben Sie die Mannschaft Ihrem Nachfolger?

    Das Team ist absolut intakt und hat viel Talent. Aber es wird ein Umbruch nötig sein. Sechs Spieler müssen ersetzt werden – das wird sicher eine grosse Herausforderung. Doch Salvatore Albanese und Marcel Ambühl werden die Challenge gut meistern und ein paar neue Spieler in die Mannschaft integrieren, sodass das Team sofort wieder funktioniert – da bin ich mir sicher.

    Wo sehen Sie den FC Mümliswil in fünf Jahren?

    Für einen Dorfklub wie den FC Mümliswil sind die mittlerweile neun Jahre in der 2. Liga keine Selbstverständlichkeit. Das war uns immer bewusst. Der Pool an Fussballern, die der Verein ausbilden kann, ist beschränkt. In Mümliswil gibt es pro Jahrgang fünf bis zehn Kinder, die mit Fussball beginnen. Manchmal sind es sogar noch weniger. Das schränkt natürlich enorm ein. Zudem gibt es im Dorf noch viele andere coole Vereine wie Unihockey, Schwingen, den Turnverein oder auch die Tamburen.

    Wie ist es trotzdem möglich, dass der FC Mümliswil im August seine zehnte Saison in der höchsten Regionalliga in Angriff nimmt?

    Der Klub profitiert davon, dass es qualitativ und auch quantitativ gute Jahrgänge gab – die Ende der 80er- sowie Anfang und Mitte der 90er-Jahre. Aber eine Garantie, dass der FC Mümliswil weitere zehn Jahre in der 2. Liga bleiben kann, gibt es nicht. Etliche Vereine im Kanton haben deutlich bessere Möglichkeiten. Sie holen entweder externe Spieler, was wir nur selten gemacht haben, weil es auch schwierig ist, jemanden ins Guldental zu holen. Oder sie haben schlicht eine grössere Juniorenabteilung. Es gibt in Mümliswil gute Junioren, aber halt nicht drei, vier pro Jahr, die es irgendwann in die 2. Liga schaffen.

    Welche Momente Ihrer fünf Jahre werden Ihnen besonders in Erinnerung bleiben?

    Am schönsten war die tägliche Zusammenarbeit mit den Spielern im Training. Die Alp, das Fellenmoos und das neu sanierte Brühl sind Orte, an denen ich seit meiner Kindheit sehr viel Zeit verbracht habe – das verbindet natürlich. Dann gibt es auch gewisse Spiele, die mir bleiben. Wie etwa der 5:0-Sieg in Grenchen in meiner ersten Saison. Das war ein Spiel, in dem uns einfach alles gelang. Toll waren auch die Trainingslager mit dem Team. Leider lag es in den letzten beiden Jahren wegen Corona nicht mehr drin.

    Was werden Sie nicht vermissen?

    Die Anfahrt. Schon von Olten aus war es ein ziemlich weiter Weg. Und von Münchenbuchsee aus, wo ich seit knapp zwei Monaten wohne, bin ich anderthalb Stunden vor Trainingsbeginn losgefahren. Das ist schon sehr viel Zeit, die draufgeht.

    Wie kam es zu Ihrem neuen Engagement beim Berner Drittligisten FC Schüpfen?

    Ich verschickte ein paar Blindbewerbungen und dann hat es sich mit dem FC Schüpfen rasch konkretisiert. Ich habe bereits Einzelgespräche mit den Spielern geführt, um sie besser kennen zu lernen. Das Ziel lautet, vorne mitzuspielen in der 3. Liga und in die Top 3 zu kommen. Im Juli starten wir mit dem Training. Ferien sind deshalb keine eingeplant diesen Sommer.

    Raphael Wermelinger (Sportredaktor OT)